Im Reich der Mitte gelten im Geschäftsleben andere Spielregeln als in Europa. Um in China erfolgreich zu sein, muss man in vielen Punkten umdenken und die eigenen Gewohnheiten vergessen:
Kontaktpflege hat in China eine noch viel größere Bedeutung als in Europa, denn hier geht Persönlichkeit vor Hierarchie. So kann es zwar sein, dass Sie in der richtigen Behörde oder Institution nach einem Ansprechpartner suchen, die wirklich wichtigen Personen aber ganz woanders sitzen. Es kann also eine Weile dauern, bis ein funktionierendes Netzwerk entsteht. Nicht umsonst heißt es: Einmal sehen ist besser als hundertmal hören! Zur Kontaktpflege gehört übrigens auch, dass man als Gast ein paar Worte Chinesisch beherrscht und über aktuelle Ereignisse in China Bescheid weiß - und auch über die Geschichte und Kultur des eigenen Heimatlandes, die bestimmt zum Gesprächsthema werden.
Wer es ernst meint, muss sich auf zahlreiche Geschäftsessen einrichten. Die Esskultur hat einen hohen Stellenwert und ist sozusagen eine vertrauensbildende Maßnahme für künftige Geschäftsbeziehungen.
Auch wenn ein Treffen erfolgreich war, heißt das noch nicht, dass jetzt alles wie am Schnürchen läuft. Der Spruch "Der Himmel ist groß und der Kaiser fern" beschreibt die Langmütigkeit und Gelassenheit auf chinesischer Seite treffend. Das erfordert manchmal mindestens ebenso viel Langmut auf der eigenen Seite.
In der Kommunikation mit den chinesischen Geschäftspartnern ist Fingerspitzengefühl und Diplomatie gefragt. Schnelle Entscheidungen oder eine eindeutige Absage sind die große Ausnahme, denn ein klares "Nein" gilt in China schlichtweg als unhöflich. Was man in Europa als Ausrede oder Hinhaltetaktik empfinden würde, ist also nur nett gemeint. Da hilft nur: Geduld - Entscheidungsprozesse dauern einfach länger. Zurückhaltung ist auch in Gestik und Mimik angesagt, lautes Lachen beispielsweise gilt als unbeherrscht.