Interview mit Robert Tordy zur OSADL

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Interview mit Robert Tordy, Leiter der Abteilung Research and Development, zur OSADL und dem gemeinsamen Messeauftritt auf der SPS/IPC DRIVES 2011.

CU: Herr Tordy, für alle, die mit der Bezeichnung nichts anfangen können: Was ist die OSADL?

RT: Die Abkürzung steht für Open Source Automation Development Lab eG. Diese Genossenschaft kümmert sich um die Anforderungen von Maschinenbauern und Herstellern von Automatisierungssystemen an die Linux Kernel-Entwicklung und die Nutzung von Open-Source-Projekten. Ihr Ziel ist es damit, die Entwicklung von Open-Source-Projekten für den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automatisierungsindustrie zu fördern und weltweit mit der Open-Source-Gemeinschaft zu koordinieren. Ein sehr gutes Beispiel ist der Realtime-Preempt-Patch für Linux, der hauptsächlich von OSADL vorangetrieben und durch OSADL-Investitionen realisiert wird.

CU: Seit wann ist Hirschmann MCS Mitglied in der Genossenschaft und welche Vorteile hat das Ettlinger Unternehmen dadurch?

RT: Hirschmann MCS ist seit November 2008 Mitglied; ich selbst bin seit Juli 2010 im Aufsichtsrat der OSADL-Genossenschaft. Die Vorteile einer Mitgliedschaft lassen sich klar benennen: Erstens ist man eingebettet in eine Organisation von Mitgliedern mit den gleichen Interessen, die die Basis ihrer Open-Source-Softwareentwicklung für die Zukunft absichern möchten. Zweitens können wir als Mitglied auf unabhängige und kompetente Ansprechpartner zurückgreifen, die bei auftretenden Problemen in technischer und rechtlicher Hinsicht erste Analysen und Weichenstellungen für die Lösung bieten. Die Vermittlung von kompetenten Dienstleistungen und „Best Practices" in technischen und rechtlichen Fragen rund um das Thema „Open Source“ ist ein dritter Vorteil der Mitgliedschaft. Schließlich haben wir exklusiven Zugang zu professionellen Gutachten und Zugriff auf Lizenzen und IPs, die OSADL für seine Mitglieder kosteneffizient erwirbt bzw. bereitstellt.
Weiterhin kann sich jedes Mitglied mit Anträgen bzw. Vorschlägen für gemeinsam finanzierte Projekte einbringen und dadurch die Fortentwicklung von Open-Source-Projekten aktiv beeinflussen und von der fairen kommerziell akzeptablen Lastenverteilung auf alle Mitglieder profitieren. Mitgliedern der OSADL wird das benötigte Know-how nicht vorenthalten und sie müssen es nicht selbst aufbauen, was kommerziell eventuell nicht möglich ist.
Zur Erhaltung des erreichten Qualitätslevels der Open-Source-Projekte (zum Beispiel RT-Patch für Linux) betreibt OSADL zudem aktiv eine QA-Farm, in der die Produkte bzw. Anwendungen der Mitglieder im kontrollierten Langzeit-Test mit offiziellen und aktuellen RT-Linux-Builds laufen. Über Langzeitaufnahmen lässt sich so die Echtzeitgüte eines Systems sehr gut darstellen. Außerdem werden Prozessor-Benchmarks im RT-Linux-Umfeld durchgeführt, was für Hersteller von Automatisierungsprodukten eine wertvolle Information darstellt. Und schließlich wird eine Langzeit-Qualitätssicherung betrieben und dadurch die Investition der Mitglieder abgesichert.

CU: Wie muss man sich die Umsetzung der Anforderungen in der OSADL Genossenschaft vorstellen?

RT: OSADL vergibt Realisierungsaufträge, die von einer Mehrheit der Mitglieder gebilligt werden müssen. Die Entwicklungen sind immer elementar, so dass sie alle Unternehmen brauchen können. Wenn sich zu den OSADL Investitionen Mitglieder mit zusätzlichen Geldern an den Entwicklungskosten beteiligen, können schneller effiziente Lösungen erzielt werden. Ganz konkret findet das in der verstärkten Integration der nötigen RT-Patches in den Standard-Linux-Kernel statt. So wurde das Betriebssystem Linux von Anfang an immer besser und damit auch in einem breiteren Spektrum für die Mitglieder einsetzbar.
Für ihre Mitglieder stellt die OSADL zudem viele Anwendungen und Hilfestellungen zur Verfügung, die die tägliche Arbeit erleichtern. Beispielsweise gibt sie rechtliche Hinweise und Unterstützung beim Umgang mit Open Source in Projekten und Produkten. Dazu beschäftigt OSADL einen Juristen, der auf das Gebiet „Anwendung von Open-Source-Software“ spezialisiert ist.

CU: Wie nutzt Hirschmann MCS Open-Source-Software?

RT: Wir betreiben unsere Steuerungen mit Linux und den RT-Patch von OSADL. Dieses Betriebssystem ermöglicht uns, aktuelle Standards zu nutzen, ohne diese selbst implementieren zu müssen. Wichtig ist dabei der offene Quellcode des Betriebssystems. Das führt einerseits zu hoher Transparenz und Akzeptanz. Anderseits helfen täglich weltweit viele Entwickler dabei, das System zu verbessern. Dies ist ein Aufwand, den sich eine einzelne Firma heute nicht mehr leisten kann. Ein weiterer großer Vorteil ist die Portierbarkeit des Codes. RT-Linux läuft auf einer Vielzahl von Plattformen, angefangen von der klassischen x86-Architektur, über ARM, MIPS, SPARC, bis hin zu PowerPC und vielen anderen. Die Anwenderschnittstelle ist dabei überall dieselbe. So lässt sich mit vergleichsweise geringerem Aufwand eine Vielzahl von Hardware-Plattformen verwenden und warten.

CU: Welche Vorteile ergeben sich dadurch für die Kunden von Hirschmann MCS?

RT: Die Realtime-Preempt-Patches geben dem Standard-Kernel die für uns wichtige, harte Echtzeitfähigkeit. Die etablierten Strukturen werden dabei nicht zerstört, sondern nur erweitert. So können weniger wichtige oder nicht deterministische Aufgaben im Hintergrund ablaufen, während prioritäre Aufgaben zu den gewünschten Zeiten starten. So wird das Beste aus beiden Welten genutzt. Und unsere Kunden haben damit belastbare, schnelle und vielfältige Steuerungen an der Hand.

CU: Warum ist Hirschmann MCS bei der diesjährigen SPS/IPC/ DRIVES, die vom 22. bis 24.11.2011 in Nürnberg stattfindet, auch auf dem Gemeinschaftsstand der
OSADL vertreten?

RT: Die SPS/IPC/ Drives ist Europas führende Fachmesse für Automatisierung – da darf Hirschmann MCS nicht fehlen. Wir präsentieren uns dieses Mal nicht nur auf dem Belden-Stand, sondern auch auf dem Gemeinschaftsstand der OSADL. Der Grund ist: Wir wollen zeigen, dass Hirschmann MCS sich mit der Mitgliedschaft in der OSADL aktiv an der Entwicklung und Verbesserung von Open-Source-Software beteiligt und dadurch die neuesten Entwicklungen direkt an die Kunden weitergeben kann. Damit verdeutlichen wir unseren Kunden, dass unsere aktive Beteiligung bei OSADL eine Absicherung ihrer Investitionen für die Zukunft darstellt.

CU: Warum sollte sich niemand die Hirschmann MCS Präsentation auf dem OSADL-Stand entgehen lassen?

RT: Ich möchte die Kunden von Hirschmann MCS und alle, die sich für OSADL interessieren, dazu einladen, sich die Vorteile einer „Open-Source-Entwicklung“ live anzuschauen und den Einfluss und das Ansehen zu spüren, das OSADL inzwischen in der Welt hat bzw. genießt. Sie werden mit Sicherheit interessante Gesprächspartner treffen und innovative Lösungen sehen.

CU: Herr Tordy, für alle, die Hirschmann MCS auf der SPS/IPC DRIVES besuchen möchten: Wo ist Hirschmann zu finden?

RT: Zum einen zusammen mit Belden in Halle 10, Standnummer 10-120, und auf dem Gemeinschaftsstand von OSADL - der befindet sich in der Halle 8 und trägt die Nummer 8-420.

CU: Herr Tordy, vielen Dank für das nette Gespräch. Wir sehen uns in Nürnberg!

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Oktober 2011


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