Das Ahornblatt – maple leaf – ist das weltweite Symbol für Kanada. Dabei repräsentiert es für viele eine sanftere Variante des nordamerikanischen Gesellschaftsmodells. Einerseits wird die Freiheit des Individuums so groß geschrieben wie in den USA. Auch das Wohlstandsniveau ist vergleichbar. Andererseits scheinen die sozialen Unterschiede nicht ganz so groß und die sozialen Konflikte nicht so ausgeprägt.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Im Vergleich zur mitteleuropäischen Sozialstaatswelt weht im kanadischen Wirtschaftsleben ein sehr viel rauerer Wind. Löhne und Gehälter sind im Durchschnitt niedriger als in Deutschland, Kündigungsschutz oder betriebliche Zusatzleistungen - Beispiel Urlaubsgeld - sind weitgehend unbekannt und das soziale Netz ist sehr löcherig. Davon abgesehen kann man in Kanada sehr gut leben. Von 1994 bis 2000 belegte das Land siebenmal nacheinander den ersten Platz auf der UNO-Liste der Länder mit der höchsten Lebensqualität - vor allen europäischen Ländern, vor den USA, vor Japan. Nach 2000 wurden die Kanadier nur von Norwegen überholt.
Kanada ist offiziell ein zweisprachiges Land - Englisch und Französisch. Aber es ist nicht selbstverständlich, dass überall auch beide offiziellen Sprachen gesprochen und verstanden werden. Wer in einem Unternehmen in der frankophonen Provinz Québec arbeiten will, muss in der Regel Französisch beherrschen; wer in eine der anderen Provinzen möchte, muss normalerweise Englisch sprechen. Wer beide Sprachen fließend meistert, hat bereits viele Pluspunkte.
Trotz der ansonsten eher lockeren Umgangsformen wird in Kanada auf Pünktlichkeit und gutes Benehmen sehr viel Wert gelegt. Ähnlich wie in England gibt es weder Gedränge noch Ungeduld. Man stellt sich in einer Reihe an und wartet auf die Frage: Who is next? Im Restaurant wird der Tisch keinesfalls eigenständig ausgesucht, sondern von der Bedienung zugeteilt. Es ist nicht erwünscht, sich an einen halbvollen Tisch zu setzen. Falls man seinen Teller nicht ganz schafft, ist es auch in teuren Restaurants üblich, die Reste einpacken zu lassen. Vielerorts darf nicht geraucht werden oder es gibt spezielle Zonen für Raucher und Nichtraucher. In öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln ist das Rauchen grundsätzlich untersagt, dazu zählen auch die meisten Flughäfen.
Beim ersten Zusammentreffen gibt man sich die Hand. Ansonsten genügt ein Wink mit der Hand oder ein kurzes Nicken mit dem Kopf, um Hello zu sagen. In den französischsprachigen Regionen wird Bonjour statt Hello gesagt. Gute Bekannte begrüßen sich mit Umarmung sowie Austausch von Wangenküssen. Besuche anzukündigen, gilt im Allgemeinen als Ausdruck von Höflichkeit. Bei Einladungen zum Abendessen bringen die Gäste gerne ein kleines Geschenk mit, wie zum Beispiel Blumen oder eine Flasche Wein. Während einer Unterhaltung sollte man es vermeiden, Kanadier mit US-Amerikanern gleichsetzen. Kritische Themen wie die Situation der Ureinwohner oder die Abholzpolitik gilt es zu vermeiden.
Die multikulturelle Gesellschaft hat einen erheblichen Einfluss auf die kanadische Küche. Typische Rezepte und Nahrungsmittel anderer Länder wurden integriert und spiegeln sich in der Fülle der kanadischen Küche wieder. Eine Besonderheit ist, dass so gut wie jede Provinz ihre eigenen Spezialitäten anrichtet. British Columbia ist bekannt für Fische wie Lachs oder Schellfisch. Alberta hingegen zeichnet sein weltberühmtes Rindfleisch aus. Ein landestypisches Produkt ist auch der Ahornsirup aus der Provinz Nova Scotia, der sehr lecker zu Pfannkuchen schmeckt. Europäische Gerichte sind infolge des spürbaren Kolonialeinflusses in den meisten Restaurants der Großstädte zu genießen. Insbesondere in Québec kommen Liebhaber der französischen Küche auf ihre Kosten. Eine gute Getränkeauswahl an europäischen und amerikanischen Weinen und Spirituosen gibt es in den meisten Hotels und Restaurants. In Bars wird am Tisch oder am Tresen bedient, man bezahlt im Allgemeinen jedes Getränk einzeln. Die Ausschankzeiten sind von Provinz zu Provinz verschieden, ebenso das Mindestalter für den Alkoholkauf - 18 oder 19 Jahre. À propos: Spirituosen können nur in besonderen Spirituosengeschäften, so genannten Government Stores, oder in Restaurants gekauft werden, so sie die Bezeichnung Licensed Premises tragen. Keine Frage, das Trinken in der Öffentlichkeit ist selbst in parkenden Autos streng verboten. Ein Tipp: Viele Restaurants gestatten ihren Gästen, eigenen Wein, Bier oder Ahornsirup mitzubringen.
Nationalsportarten sind Lacrosse (im Sommer) und Eishockey (im Winter), wobei Eishockey Teil der Kultur und Identität Kanadas ist. Die Kanadier sind Rekordweltmeister im Eishockey mit 26 Titeln, obwohl das Nationalteam bei internationalen Titelkämpfen selten in Bestbesetzung aufs Eis lief. Sehr beliebt sind auch Curling und Baseball. Fußball als Profisport spielt in Kanada nur eine Nebenrolle. 2010 ist Kanada Ausrichter der Olympischen Winterspiele, die Austragungsorte sind Vancouver und Whistler.
Fläche:
9.970.610 qkm
Einwohner:
32.040.000 (März 2008)
Hauptstadt:
Ottawa-Carleton (Provinz Ontario)
Staatsform:
Bundesstaatliche konstitutionelle Monarchie
Parlament mit zwei Kammern (House of Commons, Senat)
Parlamentarisches Regierungssystem mit Mehrheitswahl (Direktmandate)
Verwaltungsstruktur:
10 Provinzen und 3 Territorien
Amtssprachen:
Englisch und Französisch
Währung:
Kanadischer Dollar (CAD) = 100 Cents
Mitgliedschaften:
In zahlreichen internationalen Organisationen,
unter anderem OSZE, WTO, OECD, IWF, Weltbank, G7/G8, OAS, APECAPEC, Arktischer Rat, Commonwealth, Frankophonie
Der kanadischen Wirtschaft geht es relativ gut. Kanada hat eine leistungsstarke, an Zukunftstechnologien orientierte Wirtschaft: Biotechnologie, Automobilindustrie, Informationstechnologien, Telekommunikation, Luft- und Raumfahrt. Innovative Sektoren - wie Kommunikationstechnologien, alternative Energien, Biotechnologie und Nanotechnologie - werden gezielt gefördert und haben einen zunehmenden Anteil am BIP. Daneben ist Kanada traditionell ein bedeutender Rohstofflieferant und landwirtschaftlicher Produzent. Es zählt zu den weltgrößten Exporteuren von Getreide und 46 % seiner Landfläche sind von Wald bedeckt (10 % der Weltwaldfläche). Nach den USA und Russland belegt Kanada Platz 3 der Welterdgasförderung, es ist weltweit das fünftgrößte Erzeugerland von Elektroenergie, liegt bei der Erdölförderung auf dem 10. Platz und verfügt über die zweitgrößten Erdölreserven nach Saudi Arabien. Es gehört zu den wichtigsten Förder- und Verarbeitungsländern für Erze, Metalle, Edelmetalle und Mineralien (unter anderem Gold, Zink, Nickel, Kupfer). Kanada ist der drittgrößte Diamantenproduzent und vor Australien der größte Uranproduzent (30 % der Weltproduktion). Mit einem seit 15 Jahren ununterbrochenem Wirtschaftswachstum (2007: 2,8 %) belegt Kanada den Spitzenplatz unter den G8-Staaten.
Kaltgemäßigtes, boreales Klima mit langen kalten Wintern bis -35 Grad und kurzen, heißen Sommern bis zu 35 Grad bestimmt abseits der Küstenlagen den überwiegenden Teil Kanadas. Aufgrund der Größe des Landes unterliegen die einzelnen Bundesstaaten sehr unterschiedlichen Klimazonen. Die größten Temperaturunterschiede finden sich in den Prärieprovinzen mit Temperaturen bei 35 Grad im Sommer und ca. -27 Grad im Winter. An der Westküste lockt ein maritimes Klima, jedoch mit hohen Niederschlägen, da die vom Ozean kommende feuchte Luft sich am Westrand des Küstengebirges abregnet. Jahreszeiten, wie wir sie kennen, sind vor allem in den Provinzen Québec (Montreal) und Ontario (Toronto) zu erleben: Kalte Winter, milde Frühjahrs- und Herbstmonate sowie warme, wenn auch zeitweise schwüle Sommer von Juli bis Mitte September mit Durchschnittstemperaturen um 25 Grad. Ein Tipp bei Aufenthalten an Seen im Frühsommer: Insektenschutz nicht vergessen.
Kanadaweite Feiertage sind Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Victoria Day (Montag vor oder am 24. Mai, zur Feier von Königin Victoria, auch May two-four weekend genannt), Labour Day (erster Montag im September, „Tag der Arbeit“), Canada Day (1. Juli, zur Feier des British North America Act vom 1. Juli 1867), Erntedankfest (in Kanada am zweiten Montag im Oktober), Rememberance Day (11. November, Ende des Ersten Weltkrieges), 1. Weihnachtsfeiertag und Boxing Day (2. Weihnachtsfeiertag).